Desire less. Welcome to the Pleasuredome

Tagesseminar über Bedürfniskritik und das Unechte, Künstliche und Oberflächliche am 23. Februar 2008 in Berlin.

Dass mit der Art und Weise, in der heutzutage konsumiert wird, irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, findet so ungefähr jeder. Leute konsumieren lauter Zeug, bei dem man sich fragt, warum zum Teufel irgend jemand so was haben will. Der eine sammelt Spitzendeckchen, die andere braucht immer das neueste Mobiltelefon, der andere wieder jagt One-Night-Stands hinterher. Das wirkt irgendwie zwanghaft und man ist geneigt, sich sehr zu wundern, warum Menschen solchen offensichtlich sinnlosen Kram machen.

Aber andererseits: Warum eigentlich nicht? Warum muss eigentlich alles immer sinnvoll sein? Warum ist es so verdächtig, wenn jemand so was macht, ohne sagen zu können, wozu es taugt? Und wenn eine Hartz-IV-Empfängerin ein Loblied auf die Sparsamkeit und Nachhaltigkeit singt, dann scheint uns der Grund nicht allein in der Einsicht zu liegen, dass Materie endlich ist, und irgendwann Metall und Parkplatz ausgeht, wenn jeder tausend Autos haben will, sondern uns scheint da etwas mindestens ebenso Zwanghaftes drin zu stecken, wie im Sammeln von Handys. Ähnliches ist bei rigiden Antialkoholikerinnen und Nichtrauchern zu beobachten, bei denen die Härte ihres Vorgehens uns nicht allein realistisch auf gesundheitliche Risikoabschätzung zurückführbar scheint, oder bei Ökos und deren Ablehnung jedes Apfels, der zu freundlich glänzt.

Obwohl also Konsum heute in mancher Weise komisch verläuft, scheint uns Konsum- und Bedürfniskritik auch nicht der rationale Umgang damit zu sein. Wie eine Kritik genauer aussehen müsste, die beiden Seiten gerecht wird, wollen wir auf dem Seminar erarbeiten, indem wir die Phänomene, um die es geht, genauer untersuchen, genauso wie die Theorien, die sich um diese Phänomene ranken. Hatte Michael Ende Recht, wenn er meinte, dass Sprechpuppen die Phantasie zerstören, oder hat doch eher Michael Ende unser Leben zerstört? Hat das Halbbildungsbürgertum recht, wenn es sagt, Fernsehen mache dumm? Haben Grüne recht, wenn sie meinen, ein Wollpullover sei besser als die aktuelle Roberto-Cavalli-Kollektion von H&M? Und haben die Linken recht, wenn sie sagen, ein Döner sei besser als ein BigMac? Wir wollen jetzt natürlich nicht Stiftung Warentest ersetzen und in die Produktanalyse einsteigen, sondern unter Mithilfe von Bourdieu und Adorno genauer hinsehen, was eigentlich an Produkten, ihrem Konsum und besonders dem Verhältnis der Konsumierenden zu ihren Wünschen so schlecht sein soll oder ist. Uns scheinen dabei immer wieder Begriffe wie „Echtheit“, „Natürlichkeit“ und „Tiefe“ die Ideale zu sein, an denen Produkte und Konsumverhalten gemessen werden. Wir werden also diese Begriffe durchleuchten, viel Schlechtes, aber auch ein bisschen Richtiges in diesen Idealen finden, und darüber hinaus feststellen, dass diese Ideale weder reine Wahrheit noch einfach nur

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