Der Weinbergspark und die engagierten Sumpftrockenleger von nebenan

Mehr oder weniger betroffene „Anwohner“, Eltern, deren Kinder eine nahegelegene Schule besuchen, Politiker, Polizisten, und phasenweise gleich die ganze städtische Öffentlichkeit haben im Frühjahr 2007 einen gemeinsamen Gegner (wieder-)entdeckt: Die Drogenhändler im Volkspark am Weinbergsweg, Berlin-Mitte. „Selten waren sich Bezirkspolitiker so einig: Der Drogensumpf Weinbergspark muss ausgetrocknet werden.“, weiß der Tagesspiegel zu berichten. Ein Wirt erzählt, dass er „Dealern, die er vom Sehen kennt“, Hausverbot erteilt habe. Doch das reicht offenbar noch lange nicht. Eine Anwohnerinitiative ruft per Flyer dazu auf, die Polizei zu holen, „wenn man Drogengeschäfte sieht“, und will, dass die Wirte der Cafés und Restaurants rund um den Park an ihren Eingängen „Wer dealt, fliegt raus!“-Schilder anbringen. Die Polizei gibt indessen kund, es sei „beleidigend“, wenn in unmittelbarer Nähe einer Polizeiwache gedealt werde, und wehrt sich mit „täglichen Razzien“.

Die Presse berichtet begeistert von so viel neuem bürgerschaftlichen Engagement gegen die „mit libanesisch-palästinensischen Großfamilien verwobenen“ Händler, und sie reagiert entgeistert darauf, dass eine andere Anwohnerinitiative Flyer mit dem Titel „Mach meinen Dealer nicht an!“ verteilt hat, in denen dieses Treiben kritisiert wird. Die Vermutungen, wer dahinter stecke, reichen von „Webdesigner-Klientel“, das selbst zu den Kunden der Händler gehöre (Berliner Zeitung), über Leute, die keine echten Anwohner sein können (Berliner Morgenpost), oder Linken, die „den Verstand verloren“ (Tagesspiegel) bzw. nur einen Slogan aus Frankfurt kopiert hätten (Zitty), bis hin zur These, dass „die Dealer“ selbst hinter den Flyern stecken müssen (Berliner Morgenpost). Umfang, Lautstärke und Widersprüchlichkeit dieser Erklärungsversuche sind bemerkenswert. Dass es Leute gibt, die sich öffentlich gegen die ganz große Koalition des bürgerschaftlichen und polizeilich-zupackenden Engagements stellen könnten, ist offenbar ganz unglaublich.Nun gibt es gewiss viele Gründe, den Besuch diverser öffentlicher Parks beängstigend oder unangenehm zu finden. Aber wie wird es zur einhelligen Top-Belästigung, als potentielleR KäuferIn eines Rauschmittels angeflüstert zu werden? Wie werden „Anwohner“ zu Fans einer Ordnungspolitik, die gewaltsam durchsetzt, welches Rauschmittel zu haben sein darf und welches nicht? Inwieweit wirken Parks durch Appelle zur wechselseitigen Beobachtung, durch tägliche Razzien und drohende Schilder an Gaststätteneingängen beruhigender? Warum, nebenbei gefragt, benötigt man für Parkverschönerungsmaßnahmen wie die Instandsetzung kaputtgegangener Laternen, das Zurückschneiden von Hecken etc. eine besondere Begründung? Und was soll das detaillierte Feindbild von den ausländischen „Tätern“ bis hin zur Sumpf-Metapher?

Für uns wirft also weniger das Flugblatt der „anderen“ Anwohnerinitiative, als vielmehr der neue politische Aktionismus der „normalen“ Weinbergspark-Anwohner einige Fragen auf. In Referaten und anschließender Diskussion wollen wir uns dem „Drogensumpf“ im Auge des Weinbergspark-Betrachters von 2007 nähern. Es referieren: Felix Jourdan und ein Mitglied der Gruppe [pærɪs].

Der Weinbergspark und die engagierten Sumpftrockenleger von nebenan
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